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Nichts muss bleiben wie es ist
Die Ärztin Dr. Antke Züchner hilft Handlungsspielräume zu erweitern

Die Kinderärztin Dr. Antke Züchner arbeitet im Bugando Medical Center in Tanzania
Sie ist mit Leidenschaft dabei und möchte dies auch an ihre Kolleginnen weitergeben. Die Kinderärztin Antke Züchner leitet als AGEH-Fachkraft die Neugeborenenstation im Bugando Medical Center (BMC) in Mwanza/Tansania und begleitet zukünftige Kinderärzte und –Ärztinnen bei ihrer Ausbildung. Die Wirkung Ihrer Arbeit sieht sie vor allem darin, wenn sie spürt, dass ihre Kolleginnen mit Begeisterung ihre Arbeit ausüben. Die reine Wissensvermittlung reicht ihr nicht aus.
Ihre Rolle sieht sie vor allem darin, ihre Kollegen zu ermutigen, Fragen zu stellen, Missstände nicht einfach hinzunehmen. Da sie von außen kommt, fällt ihr das leichter als einheimischen Mitarbeiterinnen, ist sie sich sicher. Es sei allerdings wichtig, sich immer wieder klar machen, dass sie nur anregen, vielleicht auch das nötige Wissen zur Verfügung stellen könne. „Aber ich muss letztlich akzeptieren, dass sich meine Kollegen selber verändern wollen müssen.“, gesteht sie ein.

Antke Züchners Kolleginnen bei einer Ultraschalluntersuchung im Bugando Medical Center
Erfolge sieht sie da durchaus bereits. Beispielsweise regten ihre Kolleginnen an, dass ein sogenannter „journal-day“ eingerichtet wird, wo jeweils interessante Forschungsarbeiten vorgestellt werden. Eine gute Idee, fand Antke Züchner, machte aber deutlich, dass nicht sie dafür die Organisation übernehmen werde, sondern besser eine der lokalen Kolleginnen.
So sei es auch geschehen und klappe bis jetzt wunderbar. Die junge Kollegin achte immer darauf, dass jede Station Bescheid weiß wann sie dran ist und dass immer einer von den Assistenzärzten eine Publikation vorstellt. Die deutsche Ärztin ist ganz begeistert davon, dass immer etwas herausgesucht werde, das etwas mit dem eigenen afrikanischen Kontext zu tun hat. So könne man sich danach immer auch fragen, was bedeutet das für uns, sollten wir etwas an unserem Handeln ändern oder etwas Neues ausprobieren.

Hoch oben auf dem Berg über der Stadt thront das Bugando Medical Center
Für die Antke Züchner ist es immer wieder eine spannende Frage wie man vom Wissen ins Tun kommt. Nach Ihrer Erfahrung ist das Wissen über viele Dinge oftmals vorhanden. Aber erkennen, warum es oft nicht umgesetzt werde, das könne man nur zusammen im täglichen Miteinander. Zum Beispiel gebe es viele große Hilfsorganisationen, die in Workshops Ärzte und Hebammen in der Neugeborenen-Versorgung schulen. In BMC habe man trotzdem eine rechte hohe Sterblichkeitsrate von etwa 17 bis 20 Prozent. Jetzt sei die Frage, was ist die Ursache dafür.
Ist es der Mangel an bestimmten Medikamenten oder die Auffassung, dass ein Kind, das schon mit einem Defizit geboren ist, es nicht wert ist, es mit aller Kraft zum Leben bringen zu wollen. Oder ist es der Personalmangel, der die Hebammen zwingt ihre Kraft zwischen Mutter und Kind zu teilen. Im Zweifelsfall entscheidet man sich dann dafür die Mutter zu retten, weil die ja vielleicht noch mehr Kinder zu versorgen habe. Es sei eine Stärke der personellen Entwicklungszusammenarbeit, dass man vor Ort lebt und das herausfinden und dann entsprechende Ansätze für Veränderungen erarbeiten kann.

Gesundheitsaktionen am Bugando Medical Day
Der Handlungsspielraum sei oftmals eingeschränkt durch äußere Einflüsse, stellt Antke Züchner fest. „Damit z.B. ein Neugeborenes von 800 Gramm überleben kann, brauche ich eben ein Beatmungsgerät“, erklärt sie, „und wenn keine Muttermilch vorhanden ist, benötigen wir Frühgeborenennahrung. Ohne diese Dinge bin ich schlichtweg blockiert. Dann werde ich dieses Kind verlieren, egal wie gut ich arbeite.“ Das sei etwas, was die Kolleginnen oft sehr frustriert.
Wozu sie aber beitragen könne, ist, so die Ärztin, die Spielräume die vorhanden sind, zu erkennen und dabei zu unterstützen, deren Grenzen mit Kreativität zu erweitern. So kann sie z.B. ihre Kollegen ermutigen, wegen bestimmter fehlender Medikamente, die die Klinik nicht beschaffen kann, auch mal einen Antrag bei einer ausländischen Hilfsorganisation zu stellen. Ihre Kollegen seien dies oftmals gar nicht gewohnt, weil sie in einem System groß geworden sind, in dem man viele Mängel eben einfach hinnimmt.
Für Antke Züchner ist es schon ein Anfang, dass von Ihren Kolleginnen mittlerweile nicht mehr jeder Mangel einfach so akzeptiert wird, sondern dass versucht wird, eine Lösung zu finden. Dass jeder mitdenkt, sich selbst engagiert und sich auch zu hinterfragen lernt, sei eine Grundbedingung dafür, dass ihre Arbeit wirksam ist.
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Text: Katharina Engels, Fotos: Antke Züchner/Katharina Engels

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